Eisenhut - Giftpflanze des Jahres 2005

Der Eisenhut wurde zur Giftpflanze des Jahres 2005 gewählt. Obwohl man sich die Frage stellen muss, ob die Flut von Pflanzen, Tieren und Landschaften des Jahres überhaupt noch Beachtung finden, habe ich mich entschieden, mit der Giftpflanze des Jahres eine weitere Pflanze zu proklamieren. Warum soll nicht für die Natur kräftig Werbung gemacht werden?

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die sich nicht allzu gern mit dem Thema Giftpflanzen auseinander setzen. Bei Führungen zum Thema hört man nicht selten die Worte: „Ach, das habe ich ja gar nicht gewusst, dass diese oder jene Pflanze giftig ist!“ Und genau an dieser Stelle möchte die Aktion ansetzen. Sie soll Anlass zum Gespräch, für Führungen und Berichte bieten mit dem Ziel, die Kenntnisse über Giftpflanzen weiter zu streuen.

Der Eisenhut gehört in die Kategorie der sehr stark giftigen Giftpflanzen. Der einfache Hautkontakt mit der Pflanze kann bereits zu einer Vergiftung führen. Im Garten kultiviert sollte er daher einen Platz in der Beetmitte bekommen. Hier ist ein unbeabsichtigter Hautkontakt vermutlich nicht so leicht zu erwarten. Der Eisenhut wird besonders im Frühjahr, aber auch in den Sommermonaten als Schnittblume angeboten. In diesem Fall sollte man sehr genau abwägen, ob nicht eine andere Schnittblume die Dekoration oder die Glückwünsche zum Geburtstag besser erfüllen kann. Leider sind sich die Floristen der stark giftigen Wirkung ihrer Ware gar nicht bewusst.

Giftpflanzen wurden seit jeher von Menschen genutzt. Zunächst um Tiere für die tägliche Ernährung zur Strecke zu bringen. Mit der Zunahme von Neid, Missgunst und dem Machtstreben wurden auch immer häufiger Menschen Opfer der Pflanzengifte. Die Giftigkeit des Eisenhuts kannten bereits die Kaiser, Könige und Kirchenleute des Mittelalters. Die Edelmänner fürchteten, durch den Eisenhut vorzeitig ihr Leben zu verlieren. Daher waren sie auf der Suche nach geeigneten Gegenmitteln zum Gift des Eisenhutes. Sie ließen zum Tode verurteilte Verbrecher das Gift einnehmen. Unterschiedliche Säfte wurden den verurteilten Todeskandidaten als Gegenmittel angeboten, doch sie starben alle qualvoll.

Im alten Griechenland wurden Verbrecher mit Gift hingerichtet. Wobei Eisenhut nur den Todeskandidaten verabreicht wurde, die besonders schwere Verbrechen begangen hatten. Der Tod mit Aconitin gilt als besonders grausam!

Der berühmteste Mord mit Aconitum ereignete sich 54 n. Christus in Rom an Kaiser Claudius. Dasselbe Schicksal erlitt Pabst Hadrian VI. Die damaligen Vorgehensweisen fliegen heute mittels moderner Analysemöglichkeiten jedoch schnell auf. Auch von einem Suizid ist abzuraten, da der Todeskampf lang und qualvoll ist.

Im Mittelalter war der Eisenhut Bestandteil der Hexensalben. Durch Aconitin herbeigeführtes Hautkribbeln wurde unter dem Einfluss weiterer halluzinogener Zutaten als Wachsen von Federn interpretiert.

Glücklicherweise kommen Vergiftungen nur selten vor und so soll es auch bleiben. Sicherlich werden detaillierte Informationen über Giftpflanzen von Zeit zu Zeit zu einem anderen Zweck als dem der Information oder Warnung verwendet. Jedoch:

Genauso wichtig ist es natürlich, Ihr altes und neues Wissen über Giftpflanzen Ihrer Umwelt mitzuteilen. Wenn Sie hierfür Unterstützung benötigen, sprechen Sie mich gern an.

Unwissenheit schützt vor Vergiftung nicht!



Veröffentlicht   
2005/3
Zeitschrift: NaturErleben  
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